Youkali – Die Kraft der Ilusión

Ein Projekt von Laura Maria Görner
University of Europe for Applied Sciences Berlin
Prof. Katharina Mayer

In einer räumlich-atmosphärischen Multi-Media-Installation setzt sich die Berlin-Düsseldorfer Künstlerin Laura Maria Görner mit der Frage nach dem Glauben auseinander, der für sie nicht im Zusammenhang mit Gott stehen muss.

»Vielleicht ist die Suche nach Erfüllung der Sehnsucht, alles, was der Mensch lediglich finden muss.«

Jeder Mensch glaubt an etwas! Jeder wird von etwas angetrieben! Ganz gleich, welcher Nation, Religion oder welchem Alter er angehört.  Vladimir Korneevs Liedversion Youkali mit Auszügen aus Kurt Weills Briefen in einer Spiegelinstallation verbindenden, fragt Görner die Betrachter nach ihren eigenen tiefsten Sehnsüchten.

Was ist Dein Youkali? Was ist Dein Sehnsuchtsort? Was bewegt Dich und gibt Dir Kraft?

Youkali beschreibt diese menschliche Sehnsucht. Es ist der Titel eines Liedes, das Kurt Weill im Jahr 1934 komponierte. Er wurde in Dessau geboren und wuchs als Jude auf – seine familiären Wurzeln sind als eine der ältesten jüdischen Familien in Deutschland dokumentiert.

Aber Weill ist ein Mensch wie jeder andere auch. Wenngleich man das Lied Youkali, im deutschen historisch-religiösen Kontext betrachtet, als Weills persönliche Sehnsucht nach Frieden und einem Ort verstehen könnte, ist es ein Song, der für uns alle spricht.

Während das Lied vor allem von Träumen, Frieden und Liebe handelt, durchbricht die Textzeile „es gibt kein Youkali“ merklich dieses traumhafte Bild des Glaubens an Erfüllung… Aber genau das ist der interessanteste Teil des Liedes, denn er fragt, was es dann noch bedeutet, Hoffnung oder Glauben zu haben? Warum überhaupt einen Weg einschlagen, wenn er nirgendwohin führt, wenn man nicht sicher sein kann, dass man bekommt, was man will?

Der Kern von Glaube muss im Leiten und Vertrauen liegen; es geht nicht um das Ziel, sondern den Weg dorthin!

Komponiert als Tango Habanera, der als Tanz der tiefen Verbundenheit und des Vertrauens bekannt ist, visualisiert Youkali ein inneres Verlangen sowie ein immer vorhandenes, inneres Vertrauen! Wie ein Licht in der Dunkelheit, wie der Stern in Youkali, das ein Ort, eine Person, eine Tätigkeit oder etwas völlig immaterielles wie Gott sein kann. Das Wichtigste an der Sehnsucht ist die Kraft, die sie mit sich bringt. Die Kraft, die individuell ist und die man durch die spezifische Suche nach der Erfüllung dieser Sehnsucht erhält.

Musik und Kunst sind Spiegel der Gesellschaft. Was auch immer Weill gefühlt hat, als er dieses Lied schrieb, und warum, es richtet sich an Deine eigene innere Sehnsucht. Jeder Mensch glaubt und lässt sich von etwas leiten.

Fragen Sie sich also selbst: Was hält Dich in schwierigen Zeiten aufrecht? Was macht Dich stark? Wer steht Dir zur Seite, wenn Du Dich verloren fühlst? Wann fühlst Du Dich verloren, aber wie machst Du weiter? Wonach sehnst Du Dich schon seit langem? Wovon hast Du lange geträumt? Warum bist Du da, wo Du in deinem Leben bist, wo Du jetzt gerade bist? Wer hat Dich dorthin gebracht? Oder was? Welche Schwierigkeiten hast Du auf dem Weg dorthin überwunden und wie? Was wolltest Du unserer Gesellschaft schon immer einmal sagen? Was wünschst Du Dir? Was wolltest Du schon immer ändern oder erwähnen, hattest aber nie das Gefühl, dass Du es kannst?

Weills Musik und Gedanken zerfliegen im Raum der Zeit. Was fragmentiert erscheint, verbindet sich im Lauf der Zeit immer wieder neu. Was in der Vergangenheit individuell oder allgemein bedeutsam war, taucht wieder auf. Gleich, verändert, stärker…