Consider Space

A project by Lilian Wunschik
University of Applied Sciences Düsseldorf
with Prof. Anja Vormann

Consider Space bedeutet für mich, meinen Raum zu finden. Mich den Fragen und Gedanken zu stellen, die auf meiner Suche nach Identität und Heimat entstehen.

Für Menschen mit Familien und Vorfahren aus zwei oder sogar mehr Ländern ist dies oft eine ungeklärte Angelegenheit. In meinem Fotobuch arbeite ich mit dem leeren Raum als Dokument und fülle ihn mit Fragmenten, die sich im Laufe der Zeit ansammeln. Analoge Fotografien aus Israel und Deutschland, digitale Collagen aus Zeitschriften, Büchern und Landkarten. Erinnerungen, Gedanken und Spuren werden aus dem Zusammenhang gerissen, dekonstruiert und wieder zu neuen Bildern zusammengesetzt. Ich breche aus dem traditionellen Fotobuch-Layout aus und betrachte den verfügbaren Raum im Zusammenhang mit meiner Selbstdefinition. Als Kind einer israelischen Mutter und eines deutschen Vaters habe ich immer in Deutschland gelebt. Schon früh habe ich gemerkt, dass ich nicht ganz dazu gehöre. Irgendetwas an mir war vermeintlich anders. Plötzlich war ich die Jüdin und für manche die Verkörperung des Staates Israel. Als Kind und Teenager wusste ich nicht genau, was das war. Ich bin hier geboren und habe mich an die Kultur angepasst, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass mich die Leute fragen, woher ich wirklich komme. Eine Zeit lang habe ich sogar bewusst meine anderen Wurzeln verheimlicht, aus Angst vor Ablehnung und Vorurteilen. Heute lerne ich, meinen Raum zurückzuerobern, damit mir niemand mehr vorschreiben vorschreiben kann, wer ich bin und woher ich komme. Die Identität ist privat, niemand darf sie einem wegnehmen. Die Rückbesinnung auf meinen eigenen Raum ist wahrscheinlich ein lebenslanger Prozess, und das ist in Ordnung, solange ich ihn für mich selbst erarbeite.