Unheard Voices

Ein Projekt von Janna Lichter und Shir Silberstein
Hochschule Düsseldorf und University of Europe for Applied Sciences Berlin
mit Prof.* Anja Vormann

Das Projekt ist eine typografische Auseinandersetzung hebräischer Schriftbilder auf den Wänden von Tel Aviv. Ich frage nach den Grenzen und Möglichkeiten der Aufforderungen auf den Wänden als Moment des Widerstands der Bewohner*innnen. Im Hinblick auf 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland verorte ich die Graffiti an neuen Orten in Deutschland und führe Interviews mit jüdischen Bewohner*innen.

Graffiti, Handschriften, Wandmalereien und Stencils werden sichtbar an den Wänden von Tel Aviv. Die Bewohner*innen nutzen Graffiti, um ihre persönlichen, sozialen oder politischen Positionen zu kommunizieren. Die Wände bieten ihnen die Möglichkeit, ihre Stimmen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Während meines Auslandssemesters in Tel Aviv gehe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Yael verschiedenen Fragen nach. Was haben die Bewohner*innen von Tel Aviv zu sagen? Welche politischen Positionen vertreten sie? Wer kann die Graffiti an den Wänden entziffern?

Die Graffiti zeigen verschiedene Handschriften, Schriftarten und Möglichkeiten, mit dem Alphabet zu experimentieren. Hebräisch wird von rechts nach links geschrieben – ohne die Verwendung von Vokalen. Das Ändern eines kleinen Details kann dem Wort eine ganz neue Bedeutung geben. Die Schriftzeichen bleiben für mich ein Rätsel, das es zu lösen gilt. Am Holon Institute of Technology studiere ich fünf Monate lang visuelle Kommunikation und bitte eine israelischen Kommilitonin, mir bei der Übersetzung der Graffiti zu helfen. Das Thema Graffiti eröffnet ein neues Thema zwischen uns und ein gemeinsames Projekt beginnt. Yael und ich übersetzen die Graffiti der Stadt gemeinsam – unsere unterschiedlichen Hintergründe geben uns neue Perspektiven für das Projekt.

 Israel is alive

Is the public stupid ?

 No justice

If I forget Jerusalem, it‘s because of Tel Aviv

Occupation = Terror

Social Welfare for Holocaust Survivors

 Revolution of love

Liberty

Yael and I walk around the city analyzing, translating and discussing various graffiti. One of the first graffiti we see, Yael translates, „If I was Rothschild, I wouldn’t donate anything to the Zionists.“ Who exactly is Rothschild? Why is the artist criticizing Zionism? What party does the artist belong to? Yael explains that Rothschild belongs to a rich family who supported the Zionists and helped establish the State of Israel. The artist could belong to a leftist party that believed in equality between Jews and Arabs in Israel; and not the Zionists who see Israel as a state of the Jewish people. We continue walking and pass another graffiti: „If I forget Jerusalem, it’s because of Tel Aviv.“ Yael comments on this phrase, saying it is borrowed from a religious expression. The graffiti describes with humor that Tel Aviv has become more important than Jerusalem and makes fun of the competition between the two cities. Another graffiti deals with the youth and children of Israel „Israel Children’s Army.“ Yael says she too was obligated to join the army for two years, like every young citizen in Israel. The graffiti criticizes the Israeli government regarding the use of young adults to protect the country. Young people have no choice and spend much of their time in the army.

Als Fortsetzung bestimmt Shir Zilberstein das Projekt mit, vor Ort in Tel Aviv sammelt sie weitere Graffiti und “ungehörte Stimmen”. Die Idee ist das sammeln, archivieren, transformieren und kreieren. Die Vektorgrafiken als Projektionen möchten wir als Basis für neue Diskussionen nutzen, um mit Menschen über Politik und Gesellschaft ins Gespräch zu kommen. Im nächsten Schritt möchten wir gemeinsam vor Ort in Sde Boker Graffiti entwerfen.