What are you searching for?

Ein Projekt von Janna Lichter
Hochschule Düsseldorf
mit Prof.*in Anja Vormann

Das Projekt ist eine Reflexion meiner Begegnungen mit israelischer Personen, Kommilitonen und Freund*innen. Es beginnt mit meinem Auslandssemester in Tel Aviv und wird nun mit meiner anstehenden Rückkehr nach Israel fortgesetzt. Der Ort und die Menschen haben mir neue Perspektiven aufgezeigt und mir auf meiner Suche nach Antworten geholfen. Ich denke über den Moment der Rückreise nach. Kann ich die Menschen, die ich getroffen habe, noch erreichen? Kann ich in Deutschland neue Menschen aus Israel kennenlernen? Welche neuen Antworten kann ich auf meiner Reise der Suche finden?

Der Wunsch, alles rational verstehen zu können, zerbrach mit meiner Ankunft in Tel Aviv. Interessiert an Gesellschaft und Politik, absolvierte ich ein Auslandssemester in Israel. Das Projekt „What are you searching for?“ gibt Einblicke in Überlegungen zu meinen Begegnungen mit Menschen aus Israel. Freund*innen und Personen, mit denen ich gelebt, studiert, gereist bin und meine Zeit verbracht habe. Ich reflektiere Begegnungen, die mich das Land, die Gesellschaft und mich selbst besser verstehen ließen. Das Ergebnis sind nicht nur Porträts von Menschen, die auf der Suche sind, sondern auch ein Porträt von mir selbst, der suchenden Person. Sechzehn Menschen sind in dem Projekt vertreten. Die Trennung der Geschichten von den Porträts ermöglicht es, dass zwei Ebenen unabhängig voneinander gelesen werden können.


{Auszug 1/16 Geschichten: Arad, 26 Jahre, Samar}


Der Bus fuhr an großen Plantagen voller Datteln entlang – umgeben von Stein und Sand. Ich schaute mich um, es fing langsam an zu dämmern. Der Bus hatte uns im Nichts raus gelassen. Hinter der Haltestelle entdeckten wir das von Stacheldrahtzaun umrundete Kibbuz. Samar lag mitten in der Wüste. Lina, Bhavika und ich, studierten gemeinsam in Tel Aviv und hatten einen Ausflug in die Wüste Negev geplant und jetzt waren wir hier. Jemand hatte uns unterwegs Arads Nummer zugesteckt und uns eingeladen Samar zu besuchen.


Vorsichtig betraten wir ein aufstehendes, gelbes Eingangs-Tor und liefen erst mal gerade aus. Überall sahen wir zusammengebastelte Häuser mit kleinen Vorgärten. Für mich fühlte es sich an wie eine kleine Kommune und dem Versuch ein Leben abseits der Gesellschaft zu schaffen. Da kam Arad uns auch schon entgegen. Das einzige was ich von ihm bisher kannte, war seine tiefe Stimme am Telefon und ich war überrascht, dass er in meinem Alter war. Wir umarmten uns und er führte uns zu seiner kleinen Holz-Hütte, die er sich mit einem Freund teilte. Ido war sein Name – beide kannten sich schon lange und waren zusammen zum Wehrdienst gegangen. Damals hatte Arad einen Unfall bei einem Einsatz im Gaza, er stürzte von einem Felsen ab und Ido musste ihn bis zur nächsten Krankenstation tragen. Zwei Jahre dauerte es, bis Arad wieder normal gehen konnte. Man spürte, dass die beiden eine Einheit waren. Das Zimmer der beiden war gefüllt mit kleinen Details, wie selbstgebastelte Mobiles, Bilder von Tieren oder gesammelten Steinen. Doch Arad schlief jede Nacht draußen, auch wenn keine Gäste zu Besuch waren …